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Lexikon · Arbeit und Gesundheit

Boreout

Boreout bezeichnet einen Zustand aus anhaltender Unterforderung, Langeweile und dem Gefühl, keinen Sinn in der eigenen Arbeit zu finden. Die Beschwerden ähneln denen eines Burnouts, die Ursache ist die entgegengesetzte – und darüber gesprochen wird deutlich seltener.

  • Boreout
  • Unterforderung
  • Langeweile
  • Sinn

Acht Stunden am Arbeitsplatz, davon vielleicht zwei mit echter Beschäftigung. Den Rest füllen Wartezeiten, ausgedehnte Erledigungen und das ständige Aufpassen, dass niemand merkt, wie wenig zu tun ist. Abends ist die Erschöpfung genauso groß wie bei einem vollen Tag – nur lässt sie sich niemandem erklären, und wer sie anspricht, erntet Unverständnis.

Der Begriff Boreout wurde 2007 von den Unternehmensberatern Peter Werder und Philippe Rothlin geprägt. Er ist, anders als Burnout, wissenschaftlich weniger gut untersucht und keine anerkannte Diagnose – die Erfahrung dahinter ist trotzdem real, und die Forschung zu Unterforderung und Langeweile bei der Arbeit stützt sie. Bemerkenswert ist vor allem das Schweigen darüber: Wer überlastet ist, darf klagen. Wer unterfordert ist, gilt schnell als undankbar.

Woran es sich erkennen lässt

Drei Bestandteile werden genannt, dazu ein verräterisches Verhalten:

  • Unterforderung Die Fähigkeiten werden deutlich unter Wert genutzt. Nicht zu wenig Arbeit allein, sondern zu wenig fordernde Arbeit ist das Problem.
  • Langeweile Zeit, die zäh vergeht, ohne dass Erholung entsteht. Langeweile bei der Arbeit erschöpft, weil sie mit Warten und Aushalten verbunden ist.
  • Desinteresse Die Aufgaben sagen nichts mehr, der Bezug zum Ergebnis fehlt. Sinn ist dabei der entscheidende Punkt – und der fehlt auch in gut bezahlten Stellen.
  • Das Verbergen Aufgaben werden gestreckt, Beschäftigung vorgetäuscht, der Bildschirm gewechselt, wenn jemand vorbeikommt. Dieses Verstecken kostet zusätzlich Kraft und verstärkt das schlechte Gewissen.

Was hilft

Drei Wege, in dieser Reihenfolge:

  1. Ehrlich benennen, worum es geht Zu wenig Aufgaben, zu wenig anspruchsvolle Aufgaben oder zu wenig Sinn – das sind drei verschiedene Lagen mit drei verschiedenen Lösungen. Ohne diese Unterscheidung führt jedes Gespräch ins Leere.
  2. Das Gespräch suchen, mit einem Vorschlag „Ich habe Kapazität und würde gern X übernehmen“ kommt deutlich besser an als „ich bin unterfordert“. Führungskräfte bemerken Unterforderung selten von selbst – sie sehen erledigte Arbeit und schließen daraus auf Auslastung.
  3. Sinn außerhalb suchen, wenn innen nichts geht Wenn sich an der Stelle nichts verändern lässt, ist die ehrliche Frage die nach dem Wechsel – und bis dahin die nach dem, was außerhalb der Arbeit fordert und Bedeutung hat. Das ist kein Trostpflaster, sondern eine belegte Schutzwirkung.

Boreout, Burnout und Depression

Burnout entsteht aus Überforderung, Boreout aus Unterforderung – die Beschwerden ähneln sich aber so stark, dass sie von außen kaum zu unterscheiden sind: Erschöpfung, Rückzug, Zynismus, Schlafprobleme. Beides kann sogar zusammen auftreten, etwa bei hoher Menge an sinnloser Arbeit. Eine Depression wiederum betrifft das gesamte Erleben, nicht nur die Arbeit, und ist eine behandelbare Erkrankung. Wer über Wochen niedergeschlagen und antriebslos ist, sollte das ärztlich abklären lassen, statt es als Arbeitsthema zu behandeln.

Kurz zusammengefasst

Boreout bezeichnet Erschöpfung durch anhaltende Unterforderung, Langeweile und fehlenden Sinn bei der Arbeit; der Begriff stammt von Werder und Rothlin und ist wissenschaftlich weniger gut untersucht als Burnout, beschreibt aber eine reale Erfahrung. Kennzeichnend sind Unterforderung, zäh vergehende Zeit, Desinteresse – und das kräftezehrende Verbergen der eigenen Unterbeschäftigung. Hilfreich ist, zuerst ehrlich zu unterscheiden, ob zu wenig Aufgaben, zu wenig anspruchsvolle Aufgaben oder zu wenig Sinn das Problem sind, dann das Gespräch mit einem konkreten Vorschlag zu suchen und, wenn sich nichts ändern lässt, Bedeutung außerhalb der Arbeit aufzubauen. Bei anhaltender Niedergeschlagenheit gehört die Sache ärztlich abgeklärt.

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