Nach der Beförderung kommt nicht Freude, sondern ein mulmiges Gefühl. Die Erklärung steht sofort bereit: Es war wohl niemand anderes verfügbar. Beim Lob für die Präsentation folgt der Satz „Das war halb so wild“, und gemeint ist er ehrlich. Gleichzeitig wächst die Sorge, dass beim nächsten Mal jemand merkt, wie wenig dahintersteckt.
Die Psychologinnen Pauline Clance und Suzanne Imes haben dieses Muster 1978 beschrieben und vom Hochstapler-Phänomen gesprochen. Eine Diagnose ist es nicht, weder in der ICD noch im DSM, und das ist wichtig: Es handelt sich um ein verbreitetes Erleben, nicht um eine Krankheit. Untersuchungen legen nahe, dass ein großer Teil der Menschen es mindestens einmal im Leben kennt, vor allem in neuen Rollen.
Woran es sich erkennen lässt
Vier Merkmale, die zusammen das Muster ergeben:
- Erfolg wird nach außen erklärt Gute Ergebnisse gelten als Glück, Zufall, Entgegenkommen oder Fleiß, nie als Können.
- Misserfolg wird nach innen erklärt Ein Fehler bestätigt sofort die alte Vermutung. Die Beweiskette läuft nur in eine Richtung.
- Angst vor dem Auffliegen Die Sorge, dass andere die vermeintliche Lücke bemerken, bleibt auch nach Jahren guter Arbeit bestehen.
- Mehrarbeit als Absicherung Vorbereitung weit über das Nötige hinaus. Geht es dann gut, war es die Mehrarbeit, nicht das Können. Der Kreis schließt sich.
Was hilft
Gegen ein Muster, das sich selbst bestätigt, hilft kein Zuspruch, sondern Gegenbeweise:
- Belege sammeln Eine schlichte Liste mit Dingen, die gelungen sind, mit Datum. Das Gefühl bleibt erst einmal, aber es bekommt Widerspruch, den es nicht wegdiskutieren kann.
- Die Erklärung umdrehen Bei jedem Lob prüfen, welcher eigene Anteil daran war. Die Frage lautet nicht „War es Glück?“, sondern „Was davon habe ich gemacht?“
- Darüber sprechen Das Muster lebt von der Annahme, allein damit zu sein. Ein Gespräch mit jemandem in ähnlicher Rolle beendet diese Annahme meist in zehn Minuten.
- Kleiner anfangen als geplant Wer vor jeder Aufgabe doppelt so viel vorbereitet, bestätigt die eigene Theorie. Einmal bewusst normal vorbereiten liefert den sauberen Gegenbeweis.
Impostor-Syndrom, Perfektionismus und Selbstwert
Perfektionismus setzt den Maßstab zu hoch, das Impostor-Syndrom zweifelt an der eigenen Leistung, auch wenn der Maßstab erreicht wurde. Beides tritt häufig zusammen auf, ist aber nicht dasselbe. Vom Selbstwertgefühl unterscheidet es sich dadurch, dass es meist an einen Bereich gebunden ist: Dieselbe Person kann im Beruf zweifeln und privat selbstsicher sein. Eine Grenze gehört genannt: Wenn Selbstzweifel über Wochen den Alltag bestimmen, den Schlaf stören oder mit Niedergeschlagenheit einhergehen, gehört das ärztlich abgeklärt. Beratung ist keine Therapie.
Kurz zusammengefasst
Als Impostor-Syndrom wird das Gefühl bezeichnet, den eigenen Erfolg nicht verdient zu haben und bald aufzufliegen. Erfolge werden äußeren Umständen zugeschrieben, Misserfolge der eigenen Person, und die Beweiskette läuft nur in eine Richtung. Der Begriff geht auf Pauline Clance und Suzanne Imes zurück, die das Muster 1978 beschrieben haben; eine anerkannte Diagnose ist es nicht. Hilfreich sind vier Dinge: Gelungenes schriftlich sammeln, bei Lob den eigenen Anteil benennen, mit anderen darüber sprechen und bewusst einmal normal statt doppelt vorbereiten. Vom Perfektionismus unterscheidet es sich darin, dass nicht der Maßstab zu hoch ist, sondern die eigene Leistung angezweifelt wird. Bestimmen die Zweifel über Wochen den Alltag, gehört das ärztlich abgeklärt.
Die Überzeugung aufbauen, dass eigenes Handeln etwas bewirkt, und zwar belegbar.
Mit sich selbst so umgehen wie mit einem guten Freund, besonders nach Fehlern.
Prüfen, ob „Sei perfekt“ oder „Streng Dich an“ hinter den Zweifeln steckt.





